Katastrophenhilfe statt Karneval

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  Spendenaufruf Schlammlawinen 2018

Wenn schon die deutsche Tagesschau mal von Bolivien berichtet, was sie sonst fast nie tun („die haben doch jetzt ihren Indio-Präsidenten, denen geht´s doch gut“), dann muß man davon ausgehen, daß es dicke gekommen ist. Und so ist es….

Riesige Felsbrocken werden einfach so mitgeführt… und richten Entsprechendes an… Tiquipaya ist eine hübsche, ländlich geprägte Westvorstadt von Cochabamba. Nein, WAR eine hübsche, ländlich geprägte Westvorstadt von Cochabamba

Und so bewegt sich das Grauen auf die Ortschaft zu… man kann die Wucht, glaube ich, nur so verstehen…

Auch wenn man kein Spanisch versteht … dies dürfte für sich sprechen …
„lodo“ = Schlamm, „perdido todo“ = alles verloren, „no hay nada“ = haben nichts mehr, „mazamorra“ = Schlammlawine, „maquinaria“ = schweres Räumgerät

Dieses Video erzählt von wiederholter Überschwemmung. Man hatte schon mit Aufräumarbeiten angefangen … wieder alles dahin, und nochmal neue Schäden obendrauf…..

Wie so viele andere auch fuhr ich mit meinem alten 4×4 Pickup, das sich in solchen Lagen äußerst bewährt, Hilfsgüter in den Matsch hinaus. Letzterer stinkt mittlerweile mächtig, man möchte gar nicht wissen, was da so alles drin ist. Man kann es sich aber vorstellen. Habe zB eine volle Ladung Babywindeln, geschenkt vom Hersteller am anderen Stadtrand, dahin gefahren. Die braucht man jetzt gleich dreimal so dringend. Die Menschen konnten sich ja nicht ausgerechnet die Windelpackung unter die Arme klemmen, als das Haus wegbrach. Zugleich grassiert Brechdurchfall durch das faule Wasser und den Schlamm. Und auch bereits „saubere“ Kinder machen durch die Traumatisierung wieder unter sich… hatte mir selbst auch etwas eingefangen da draußen, Ruhr-ähnliche Zustände in der keramischen Abteilung daheim …

Das war mal eine normale Siedlungstraße. Rechts ist alles vollkommen weg…

Im Waschhof unseres Mietshauses. Der Grundwasserspiegel ist so hoch, dass das Regenwasser nicht mehr abfließen kann. Also läuft alles über und das Wasser auch irgendwann ins Haus. Wir haben sozusagen eine „Wache“ eingerichtet, auch in der Nacht, wenn es regnet, muß die „Wache“ wenigstens das Haus wieder freischippen. Nach vorne auf den Rasen. Doch der ist mittlerweile auch wassergesättigt. „Habe das Gefühl, hier immer dasselbe Wasser durch die Gegend zu tragen“, maulte Vero. Na ja, wo sie Recht hat, hat sie Recht….

Unser derzeitiges Haus hat (wie die meisten) keinen Keller. Es steht derzeit mit dem Fundament im hohen Grundwasserspiegel. Die alten Wände saugen das Grundwasser hoch – ob wir schippen oder nicht, das kann den Effekt nur verlangsamen – verdunkeln sich erst und beginnen dann, sich aufzulösen. Hier ein Zimmereingang, Türrahmen bereits abgelöst. In den Einbauschränken riecht es modrig

Wenn wochenlang immer wieder Wasser ins Haus eindringt, ist die Substanz irgendwann angegriffen. Hier die Konsole der Küchenschränke. Scharniere verrosten…

… das Holz quillt auf und passt nicht mehr. Haargummis der Mädchen halten die Türen zu…

… und innen drin fallen ganze Stücke aus der Wand. Eins steht wohl fest: unser Mietshaus hier wird nicht weitere 40 Jahre älter. Ein Zimmer ist jetzt definitiv unbewohnbar geworden. Die Mädchen rücken zusammen.  Allerdings hat eine befreundete Nachbarin sich angeboten, unsere Dany einstweilen aufzunehmen. Sie hat da manchmal ein Taschengeld im Restaurant verdient und wohnt jetzt halt eine Zeit dort, wo sie auch zuweilen jobbt. Schon entspannt sich die Lage etwas. In Krisenzeiten kann man ja nicht wählerisch sein… auch wenn es weh tut, ein Kind nicht bei sich zu haben und schützen zu können. Das macht keine Freude, das kann ich Ihnen sagen. Gott sei Dank hat sie Heimweh und kommt oft vorbei. Und die Mädchen prummeln sich manchmal alle in ein kleines Bett hier, dazu noch Hund und Katze. Das beruhigt sie, gibt ihnen Nähe und nimmt die Angst. Völlig in Ordnung

So sieht es aus, wenn der ungebetene Fluß wieder aus der Küche rausgeflischt (-geeimert) ist. Mittlerweile erkennt man sogar schon eine Art „Flußbett“. Die Ablagerungen bekommen wir nach der Regenzeit vermutlich nur mit Chlor weg

Die wichtigste Lebensader nach Colcapirhua, Quillacollo und Vinto (Westvorstädte von Cochabamba) und dann weiter nach La Paz (Nordwesten) und Oruro (Südwesten), 3 Spuren in jede Richtung, auf 60 Meter Breite einfach weggespült. Der kleine Bach unten im Bild, unter der Straße kanalisiert, erreichte Rhein-Breite….

Ob Baum oder Stahlbeton, alles wurde einfach mitgerissen und strandete oft weit weg vom Ursprungsort

Dies war mal eine Anwohnerstraße in Colcapirhua, asphaltiert, mit Bürgersteigen, Bäumen und Sträuchern, Telefon- und Strommasten

Und dies Schulhof und Sportplatz eines Schulzentrums

Hier standen bis vor kurzem Lehmziegelhäuser. Davon ist fast gar nichts mehr da

Das Behindertenheim Maria Cristina mit derzeit 78 Bewohnern musste vollständig evakuiert werden

Und die verbliebenen Tiere suchen sich einigermaßen trockene, nicht verseuchte Rasenstellen. Was sollen sie auch machen. Sehr viele Tiere sind in den Fluten umgekommen. Das riecht man auch