Homeschooling auch in Bolivien

Sieht wohl dem Grunde nach genauso aus wie in Deutschland. Auch eine gewisse Alarmstimmung bei der Elterngeneration dürfte dieselbe sein. Denn natürlich wenden sich die Mädchen vertrauensvoll an mich, ausgerechnet mit dem, was man selbst nun gerade so gar nicht auf der Pfanne hat. Elvira fragte plötzlich: „Pa, Du hattest doch Chemie so gerne in der Schule. Wieviele Atome sind denn in 324 Gramm Gold?“

„Sage ich Dir gleich, Mäuschen. Muss mal dringend auf Toilette…“ Verdammte Axt, wie ging denn das. Heimlich Iphone mit auf den Topf genommen (früher nahm ich Comics mit), dahinten kommt das WLAN noch hin. Dann aber schnell Google. Ach jaaaa, die Avocadro-Konstante, 6×10 hoch 23, ach jaaaa, erstmal von Gramm zu Mol, dann die gute alte Konstante (2019 neu gefasst. Danke für die herrliche Ausrede!) anwenden…

„So, Schätzchen, wie waren doch gleich die Zahlen. Ah, ja. Pass auf, das rechnet man so…“ Innerlich sich auf die Schulter klopfend, die Schnappatmung vermeidend, so cool, dass einem die Eiswürfel aus der Hose rieseln. Bis zum Moment, in dem Luzmabel fragt: „Wie machen denn die Pflanzen aus Sonnenlicht ihr Essen?“

„Photosynthese“ kann ich gerade noch äußern, auf die Toilette kann ich glaubhaft nicht schon wieder, was machen, halt, in der Küche bruddelt Buchstabensuppe, da muss ich dringend nachschauen. Da war doch dieser Zyklus, Zitronen irgendwas, Herrgottnochmal, ist doch alles erst 35 Jahre her… dem Herrn Google mit seiner Gemahlin Wikipedia sei ewig Dank….

Zwei Eintracht – Sieges – Pizzen

Das ist nicht jeden Spieltag so: sowohl Eintracht Braunschweig als auch Eintracht Frankfurt haben gewonnen – die Adler sogar gegen Bayern München, und die Löwen sammelten wichtige Punkte im Abstiegskampf. Um die Kinder, die nicht gaaaanz so fußballbegeistert sind, etwas mitzunehmen, habe ich Pizza gemacht. Geteilte Freude….

Regenzeit ist auch Erntezeit

Regenzeit bedeutet Wechsel von sattem Regen und hoher Sonne – das macht Früchte reif, prall und bunt. Hier unsere Ernte von heute (nur Repräsentanten), Palto (Avogado), Tuna (Kakteenfrucht), Granatapfel, Feige und Guayaba

Eine längere Regenpause konnte auch genutzt werden, um den Zaun mit schwerem Draht auszubessern. Bella und ihre Kumpels hatten immer wieder Löcher gefunden (gemacht). Damit dürfte Schluss sein – wir machen aber erstmal die Probe, Bella ist kräftig….

Schönes und Nützliches statt Karneval

Kein Umzug, keine Straßenfeste, keine Stammtische, keine Abendkonzerte – Karneval fällt in Bolivien total aus, und das dürfte für viele Bolivianer eine der härtesten Maßnahmen sein, die Faust sozusagen in der Tasche geballt. Da wird auch viel Geld gespart, das sonst an jeder Straßenecke ausgegeben wird. Heute auf dem Sonntagsmarkt (eigentlich Bauern-Frisch-Topf-Pflanzen-Kleinkunstmarkt) daher mal was fürs Projekt gekauft

Nur vier Häuser von unserem entfernt entstand diese Reliefkachel “ Tukan“…

… und auch dieser „Papagei“. Vorbilder leben zwei Kilometer von hier nach Norden im Nationalpark (oder in unserem Tierklinik-Zoo-Refugium, siehe Dezember 2020, etwa Mitte)

Für unsere Projektküche mit hoffentlich bald wieder vielen hungrigen, jungen Leuten: dieses Edelstahlkunstwerk tschechischer Einwanderungstechnik (Höffner). Unten kochen, nach oben durch feine Löcher im Boden dünsten. Sensationell

Drei Etagen große Topfgrösse auf dem Herd, nur eine Flamme belegt, unten bruddeln Kartoffeln, Reis oder Nudeln, Mitte dünstet Fisch, oben Broccoli. Für acht bis zehn Personen locker. Liebe so etwas. Oben Kristallglas mit Druckventil. Kosten etwas mehr als 30 EUR, selbst bezahlt, natürlich, Quittung gab´s eh nicht

Elviras Stärken beginnen zu wirken

So war es bei Elvira schon von kleinauf: die Menschen, auch viel kleinere, mögen sie, sie schart sie um sich. Sie animiert zu Sport und Spiel, auch durch gutes Beispiel, hält die Gruppe zusammen und wirkt ausgleichend. Luzmabel hat sie sofort ins Herz geschlossen, und jetzt kommen schon Freunde vorbei (Luzmabel ist verdeckt, leint gerade Bella an, ein bisschen schimmert ihre Hose im USA-Flaggen-Look durch) und die Gruppe zieht mit Ballauswahl hoch zum Bolzplatz, unheimliche 200 Meter von hier entfernt. Der Moment, in dem ich wieder Trennjäger oder Bohrmaschine anwerfen kann, damit keinen nerve oder erschrecke, und so geht alles weiter voran…

Weiter geht’s am Bau

Der alte Bauernschrank war mein erster hier. Er braucht dringend neuen Lack, neue Schlösser und eine neue Kleiderstange. Dann geht er zu Elvira, in deren (noch) kleinem Haus er das perfekte Staumöbel sein wird

Na, wird doch! Wieso arbeitet der eigentlich draußen, erzählt doch dauernd von Regenzeit und Schlagregen. Wegen einer hervorragenden Wetter-App (danke, Clarissa), die für Samaipata auf Daten der sehr guten Wetterstation in El Trompillo, Santa Cruz zugreift, konnten wir auf eine Prognose für zwei regenfreie Tage bauen. Hat geklappt! Als der fertige Schrank in Elviras Haus war und sie gerade in aller Ruhe anfing, einzuräumen, begann es zu tröpfeln… Timing!

Dann noch eine Lackschicht, neue Kleiderstange ist drin, Stapelbügel (danke, Birgit), und drei neue Schlösser. Fertig. In dem noch recht kleinen Haus von Elvira steht er hinter der Tür und nimmt dort keinerlei Lebensraum und Bewegungszone weg, bietet aber jede Menge Stauraum. Obendrauf noch Wäschekorb, Koffer und Sporttasche – und Elvira hat alles in ihrem Häuschen und doch Luft und Bewegungsfreiheit. Später im Gästehaus „Manuela Schatz“ wird er der Schrank für Besucher und Volontäre sein. Das muss aber alles, wie die Erweiterung des Erzieherinnenhauses, erst noch gebaut werden. Wird aber. Um „nach Corona“ anzufangen, ist jetzt schon alles da. Der Rest ist sinnvoll, aber nicht zwingend wichtig, daher warten wir recht entspannt auf den Startschuss

Junge Stimmen auf dem Hofe

So muss ein Grundstück aussehen. Zufriedene Kinder

Spaghetti kochen

Man zeige mir die Kinder (natürlich vorausgesetzt, gesund und allergiefrei, sonst können sie das freilich nicht), die eine frische Spaghetti Bolognese nicht lieben. Es blieb auch nichts übrig

Das erste Mal

Unsere Juniorchefin Elvira ist mit 20 das erste Mal im Leben geflogen. Erstens umgehen wir so das Risiko von Erdrutschen oder Blockaden auf der einzigen Zugangsstrasse, zweitens war das ihr Traum, und den Flug gab es als „Super-Eco“ umgerechnet etwa 20 EUR. Statt 10 Stunden auf riskanter Landstraße 45 min über den Wolken. Da gab es nichts zu überlegen. Liebe Spender, habe ich natürlich selbst bezahlt. Sie war völlig begeistert, insbesondere von den Wolken

Kleiner Imbiss zur Feier des Tages, dann ab nach Hause. Elvira hat sich endgültig entschieden, hier zu leben und hier mitzuwirken. Darüber freue ich mich unbändig. Sie ist der „richtigste“ Mensch dafür, und ihr Wunschstudium dabei zu machen – auch das werden wir gut hinkriegen

Elvira hat auch das erste Mal im Leben Darts gespielt – es wurde nach Kniffel und Cacho sofort unser Lieblingsspiel. Und sie lernt schnell, dreimal hat sie mich schon abgefegt (man merkt, dass man Vater ist, wenn einen das mehr freut als der eigene Sieg)

Das erste Mal im Leben Spargel – hier wird „nur“ der grüne angebaut, aber wenigstens was. Lecker, darf ich wieder machen, sagt sie

Das sind unsere ersten eigenen Guapurú. Sehen aus wie schwarze Kirschen, schmecken wie süße Pflaume und haben drei weiße Kerne. Sie wachsen direkt am Stamm, geschützt vom pieksenden Busch drumrum. Darum habe ich Trottel sie letztes Jahr nicht gesehen und den Vögeln überlassen. Unsere kleine Nachbarin Luzmabel hat uns darauf aufmerksam gemacht

Jetzt fehlt eigentlich nur noch unsere erste Señorita im Projekt – leider haben sie in Cochabamba schon wieder eine Art Lockdown verhängt 🙄. Aber im März / April sollte das endlich mal angehen. Wird unsere erste „Neue“ Melody?

Volltreffer für Veronica!

Heute, am 23.01.2021, wird Veronica 18 Jahre alt! Glückwunsch, Lüttje! Noch bleibt sie im Heim, um ihre Schule abzuschließen. Aber sie hat schon angefragt, denn ich habe ihr schon vor Jahren in der CIUDADELA versprochen, sie nicht im Stich zu lassen, wenn der Ernst des Lebens beginnt

Zur Erinnerung: das war Veronica vor über 10 Jahren

Die ersten vier Mädchenschränke sind fertig!

Es war wie immer auch ein Lernprozess. Die ersten Scharniere waren nicht gut, die zweiten sind sehr viel besser (die haben diesen End-Schliess-Wupp), aber dafür müssten die Schubladen etwas eingekürzt werden

Und immer wieder: anschleifen, noch eine Lackschicht. Zeder will gut geschützt sein.

Und fertig! Das dreieckige Schuhregal lässt wunderbar den Weg frei zur Hintertür des Mädchenhauses, also der Ausgang zu deren Bad. Der erste Schrank hat einen Spiegel

Stabiles Schmuckstück für Generationen

Mit Stapelbügeln (Danke, Birgit) kann auch in schmaleren Schränken alle Hängeware ordentlich untergebracht werden