Weitersondieren, mal ohne auf Ampeln zu achten

Juniorchefin Elvira führt weiterhin Gespräche. Auch wenn es schon wieder in den Sternen steht, ob es 2022 endlich wieder normal angehen kann – was sollen wir denn auch sonst machen …

… außer Baden natürlich. Auch in diesem Jahr ist der November wieder einer der heißesten Monate

Tatiana ist auch jetzt da

Meine Große (rechts) ist jetzt auch bei uns in Samaipata. Ihre Reise hierher war abenteuerlich. Ausbruch aus der unsinnigen Quarantäne im kontaminierten Cochabamba (als Geimpfte!), Umgehung von politischen Blockaden der Zufahrtsstraße zu Fuß über Feld mit Gepäck, warten auf neuen Bus hinter der Blockade… solchen Irrsinn können Sie sich in Deutschland wahrscheinlich gar nicht vorstellen. Egal, sie ist hier.

Und nach einer ordentlichen Käsepizza ist eh alles vergessen.

Grinsemichel links: unsere Elvira

Halloween und andere Heimsuchungen

Natürlich möchten auch bolivianische Kinder „Süßes oder Saures“ – der Coronamist war ja schon für 20 weitere Jahre sauer genug für sie. Hier machen sie es mit wenig Geld, aber Phantasie, und vor allem: sie essen die Süßigkeiten mit Genuss, sammeln nicht nur und schmeißen dann weg wie in den Überflussgebieten dieser Welt

Sattel schon mal die Pferde, Little Ross….

Na, bitte. Wenn wir hier schon mit den großen Linien virusbedingt nicht zu Potte kommen können/dürfen, dann wenigstens ein paar Nebenschauplätze abarbeiten. Rocio (Aussprache: Rossio, daher die Überschrift) hatte ja hier bei uns ernsthaft darüber nachgedacht, mal Reiten zu lernen (siehe Eintrag hier vom 24. August). Inspiration ist ja auch eine Hilfeleistung 😊

Voodoo gegen Corona??

Nein, das ist kein „erhängtes Mädchenpüppchen“ gegen das Virus. Ist mein Granatapfelbaum, den der ganze Käse mal so gar nicht interessiert. Aber Danke für die lustige Anregung, Birgit Bölk!

Was nicht so lustig ist:

Neulich hat sich hier ein junges Ehepaar aus Cochabamba infiziert. Das vierjährige Kind blieb verschont. Verlauf nicht schön, aber auch nicht zu kritisch. Ein schon geimpfter Onkel kümmerte sich um die Kleine, die Eltern waren in einer Cabaña mit Küche und Bad isoliert und nach sieben oder acht Tagen damit durch. Der Onkel stellte einfach täglich Lebensmittel vor die Tür. Ging eigentlich alles ganz glimpflich ab. Es war die D-Variante, wie jetzt wohl fast immer.
Blöd: jetzt ticken die Offiziellen wieder aus. Erneuter Anzug der Maßnahmen, Kinderheime wieder geschlossen (wieso??? Das Kind hatte NICHTS), es wird schon wieder über Reiseverbote für Santa Cruz und Cochabamba geredet (und Elvira muss da demnächst hin, ihr Zeugnis abholen) …

 

Nächste Kandidatin?

Das ist Delia Antonia, genannt „Andy“. Sie ist Vollwaise und wird im November volljährig. Seit ihrem 13. Lebensjahr (nichts allzu Ungewöhnliches in Bolivien und tatsächlich legal. Wen das interessiert, hier gibt es bei „Presse“ einen Artikel von „WG-Nachrichten 2020“, der das Thema Kinderarbeit hier mitbehandelt) arbeitet sie als Zimmermädchen in einem Hotel, um sich durchzubringen, hatte dort auch ein kleines Zimmer mit Bad. Zur Schule geht sie abends. Jetzt hat das Hotel coronabedingt geschlossen, sie kann noch eine Zeit da bleiben, bis es abgewickelt ist. Wir machen jetzt erstmal das Findungsgespräch, wir wollen wieder herausfinden, welche Talente sie hat – und ob wir ihr damit helfen können, unabhängig zu werden. Diese Gespräche sind immer ergebnisoffen. Wenn das Ergebnis letztlich ist: „Ich will nur noch Windeln wechseln und einen Typen, der mir das Geld zum Leben gibt“ (keine allzu seltene Einstellung im Machismo hier, dem sich die Frauen mir unverständlicherweise zu oft willig unterordnen und dann auch noch ihre Blagen in dem Sinne erziehen), dann wäre sie hier falsch. Wenn sie wirklich etwas lernen will, mit dem sie würdig marktgängig wird … dann ab in die Casa de la Bienvenida …

Traurig: das CASABLANCA ist tot

Völlig entkernt, nur noch ein Rest von dem legendären Bild, vor dem immer die Jazzband stand, ist noch zu sehen. Als ich das neulich in Cochabamba sehen musste, fuhr mir das in die Glieder. Musste das alles wirklich sein?

Hier noch einmal Bilder aus den letzten 10 Jahren:

Der große Carlos Zalazar (im zweiten Erinnerungsbild von oben links, im dritten neben mir rechts) ist verstorben, das CASABLANCA ist nicht mehr … Cochabamba wird nie wieder so klingen wie zuvor

Zum Verkauf, en venta…. nur noch Ware, was einmal Kult war. 4 war der Aussenbereich mit Brunnen und Nichtraucherraum (sehr fortschrittlich in Bolivien, aber eine Jazzkneipe darf nach Qualm und verschüttetem Whisky riechen), dahinter die Küche, 3 war der legendäre Innenraum

Bolivianische Kindergesichter … ?

Richtig. Das ist unsere Maria Rosario. Kein Kind mehr, sie hat mittlerweile selber drei, ein Mädchen und zwei Jungs. Nur leider keinen Ernährer, habe ich schon mal gesagt, was ich von den XY hier …. ah, na gut.

Das war sie früher, als sie noch auf uns gehört und jede Chance zu Aufstieg und Unabhängigkeit gehabt hat (danach kam der vermaledeite Machismo in ihr Leben):