Voodoo gegen Corona??

Nein, das ist kein „erhängtes Mädchenpüppchen“ gegen das Virus. Ist mein Granatapfelbaum, den der ganze Käse mal so gar nicht interessiert. Aber Danke für die lustige Anregung, Birgit Bölk!

Was nicht so lustig ist:

Neulich hat sich hier ein junges Ehepaar aus Cochabamba infiziert. Das vierjährige Kind blieb verschont. Verlauf nicht schön, aber auch nicht zu kritisch. Ein schon geimpfter Onkel kümmerte sich um die Kleine, die Eltern waren in einer Cabaña mit Küche und Bad isoliert und nach sieben oder acht Tagen damit durch. Der Onkel stellte einfach täglich Lebensmittel vor die Tür. Ging eigentlich alles ganz glimpflich ab. Es war die D-Variante, wie jetzt wohl fast immer.
Blöd: jetzt ticken die Offiziellen wieder aus. Erneuter Anzug der Maßnahmen, Kinderheime wieder geschlossen (wieso??? Das Kind hatte NICHTS), es wird schon wieder über Reiseverbote für Santa Cruz und Cochabamba geredet (und Elvira muss da demnächst hin, ihr Zeugnis abholen) …

 

Nächste Kandidatin?

Das ist Delia Antonia, genannt „Andy“. Sie ist Vollwaise und wird im November volljährig. Seit ihrem 13. Lebensjahr (nichts allzu Ungewöhnliches in Bolivien und tatsächlich legal. Wen das interessiert, hier gibt es bei „Presse“ einen Artikel von „WG-Nachrichten 2020“, der das Thema Kinderarbeit hier mitbehandelt) arbeitet sie als Zimmermädchen in einem Hotel, um sich durchzubringen, hatte dort auch ein kleines Zimmer mit Bad. Zur Schule geht sie abends. Jetzt hat das Hotel coronabedingt geschlossen, sie kann noch eine Zeit da bleiben, bis es abgewickelt ist. Wir machen jetzt erstmal das Findungsgespräch, wir wollen wieder herausfinden, welche Talente sie hat – und ob wir ihr damit helfen können, unabhängig zu werden. Diese Gespräche sind immer ergebnisoffen. Wenn das Ergebnis letztlich ist: „Ich will nur noch Windeln wechseln und einen Typen, der mir das Geld zum Leben gibt“ (keine allzu seltene Einstellung im Machismo hier, dem sich die Frauen mir unverständlicherweise zu oft willig unterordnen und dann auch noch ihre Blagen in dem Sinne erziehen), dann wäre sie hier falsch. Wenn sie wirklich etwas lernen will, mit dem sie würdig marktgängig wird … dann ab in die Casa de la Bienvenida …

Traurig: das CASABLANCA ist tot

Völlig entkernt, nur noch ein Rest von dem legendären Bild, vor dem immer die Jazzband stand, ist noch zu sehen. Als ich das neulich in Cochabamba sehen musste, fuhr mir das in die Glieder. Musste das alles wirklich sein?

Hier noch einmal Bilder aus den letzten 10 Jahren:

Der große Carlos Zalazar (im zweiten Erinnerungsbild von oben links, im dritten neben mir rechts) ist verstorben, das CASABLANCA ist nicht mehr … Cochabamba wird nie wieder so klingen wie zuvor

Zum Verkauf, en venta…. nur noch Ware, was einmal Kult war. 4 war der Aussenbereich mit Brunnen und Nichtraucherraum (sehr fortschrittlich in Bolivien, aber eine Jazzkneipe darf nach Qualm und verschüttetem Whisky riechen), dahinter die Küche, 3 war der legendäre Innenraum

Bolivianische Kindergesichter … ?

Richtig. Das ist unsere Maria Rosario. Kein Kind mehr, sie hat mittlerweile selber drei, ein Mädchen und zwei Jungs. Nur leider keinen Ernährer, habe ich schon mal gesagt, was ich von den XY hier …. ah, na gut.

Das war sie früher, als sie noch auf uns gehört und jede Chance zu Aufstieg und Unabhängigkeit gehabt hat (danach kam der vermaledeite Machismo in ihr Leben):

Derweilen, an der Grenze….

…. zwischen Chile und Bolivien, auf gut 5.000 Metern, in der Atacama-Wüste. Man sieht die Hektik und die Strenge der Grenzkontrollen. Aber das war vor der Pandemie auch schon nicht anders….

Filmzitate

Dett globen se ja garnich, wie scheen Deutschland iss, wenn man janz weit weg is und immer nur dran denkt.

Heinz Rühmann, Der Hauptmann von Köpenick

Wieder zurück – und leider weg

Die Rallye Samaipata ist wieder zurück! Ein national beachtetes Spektakel. Die Strecken fahre ich sonst im Schneckentempo und mit 4 x 4, aber diese Boliden kacheln da teilweise mit mehr als 100 Sachen lang, immer am Grip-Limit und mit Powerslide um die Kurven. Sicher nicht das Umweltfreundlichste, aber ich kann mir ein Grinsen einfach nicht verkneifen, wenn ich an der Piste stehe. Manche mögen halt Motorsport…

Hier die Präsentationsaufstellung auf unserem Zentralplatz.

Die letzte Rallye war 2019, dann kam so ein Virus, der eine oder die andere unter Ihnen wird davon gehört haben…

Apropos Virus. Das sind die Häuser bei uns schräg gegenüber, da wo die Familien von Luzmabel, Maythe und Jhimmy gewohnt haben. Steht jetzt alles leer, sie sind alle weggezogen, weil es hier wegen dieser Pandemiemassnahmen keine Arbeit und kein Einkommen mehr gab. Kollateralschaden ….

Auch unsere Studentinnen sind endlich durch

Meine ganz Große hat nun ihr Uni-Diplom, rechts sehen Sie auch Veronika, die in Cochabamba ja immer bei uns „mitgelaufen“ ist. Die beiden (und öfter noch einige andere, siehe zB September 2018) haben ja in unserem Hause so manche Gruppenarbeit oder Kochübung absolviert. Glückwunsch, meine Damen! Auch die beiden haben ihr Jahr 2020 (nein, wieder kein Schreibfehler!) nun endlich hinter sich …

Endlich mal wieder in CANDELARIA

Immer gut, wenn man sechs Fliegen mit acht Klappen schlagen kann … oder wie das heißt. Musste ohnehin wegen Formalkram nach Cochabamba. Dabei konnte ich gleich Rocio nach Hause fahren und mal wieder die Mäuse in Candelaria besuchen. Von links: Jhasmin, Nelsi, Lesli

Und da konnte auch gleich etwas aus den Carepaketen von neulich überreicht werden!

Rocio und die Riesenfarne

Wir sind gesegnet mit einem zusammenhängenden Urwald von Riesenfarnen (helechos). Diese Pflanzen sind in mehrfacher Hinsicht einzigartig. Erstens bilden sie keine Wurzeln aus. Sie stehen daher relativ unsicher und können nur dort überleben, wo die Geologie und schützende Riesenbäume (sog. Überständer) sie schützen. Das ist hier im Süden des Nationalparks Amboró der Fall – und das (zweitens) seit vielen Millionen Jahren. Schon die Dinosaurier haben die leckeren Fächerblätter und die schneckenartigen Jungfarne gemümmelt. Letztere können auch dem Menschen beim Überleben im Urwald helfen, sie enthalten Proteine und sehr viel Nahrhaftes. Wir wissen übrigens drittens, dass die Dinosaurier das gleiche Bild vor Augen hatten wie wir heute. Der Farn vermehrt sich einzellig durch Sporenbildung, alle Familien haben seit Ewigkeiten die gleichen Gene. Viertens wächst der Stamm des Farns sehr langsam, nur etwa einen Zentimeter pro Jahr. Ein zwölf Meter hoher Farn ist also etwa 1200 Jahre alt.

Durchaus lecker, auf jeden Fall besser als Verhungern

Grössenvergleich. Rocio ist 1,50 m mit Hut

Farne, Lianen und Tajibo – Riesenbäume. Bin etwas hochgeklettert für das Foto

Auf dem Weg zum Nationalpark: Rocio und die Pfirsichblüte. So im November ist Saison