Nach ODESUR waren wir mal oben an der Nordspitze der Lagune Corani. Da hat man eine mehrere hundert Meter lange Staumauer gebaut, um
a) Wasserflächen für die Sportfestspiele zu gewinnen, dort fand Segeln und Rudern statt,
b) Zuchtflächen für Forellen zu gewinnen, um die Naturbestände in Ruhe zu lassen und trotzdem Lebensmittel für die ärmere Bevölkerung zu haben,
c) das sinnlose Absickern von wertvollem Wasser in den Andenfelsen zu verhindern, man hat geregelte Kanalisation gebaut, die das Wasser auf die oberen Felder mit Humus leiten und dann rechts und links fruchtend in das Naturschutzgebiet ablaufen,
d) dadurch werden Stromturbinen betrieben, die Candelaria und andere komplett mit „Wasserstrom“ versorgen.
Von rechts: Rosemary, Tatiana (beide sind ziemlich dicke Freundinnen geworden) und Bella mit dem Rücken zum alten, natürlichen Nordende der Lagune Corani
Im Rücken der Gruppe: die gewonnene Wasserfläche
Picknick am ältesten Bauteil. Bekrickelt wie in aller Welt. Na gut..
Einfach mal reinhören. Ein wunderbar gelungener Gute-Laune-Freifühl-Kracher, mit authentischen andinen Klängen und internationaler Herzlichkeit. Wir trällern den hier seit Wochen vor uns hin.
„Bienvenido a mi llajta!“ (llajta = Quechua = Stadt)
Das Lied heißt „Un mismo sentir“ – ein gemeinsames Gefühl. Passt
„Rumbo Cochabamba“ – Kurs auf Cochabamba. Auto knackevoll, stört die Kinder nicht im Geringsten. Zimperlich sind sie ja eh nicht
Highlight 1: Besuch des internationalen Flughafens und eines Hangares mit einmotorigen Maschinen. Nicht wenige der Kinder sagten, das sei die größte Traumerfüllung ihres bisherigen Lebens gewesen. Fotos ab jetzt übrigens auch von Sandra, die wir demokratisch zu unserer Fotodokumentatorin gemacht haben, was sie begeistert annahm – genauso wie die Kamera von Anabel und Fabian, die sie zu diesem Zwecke hierließen… daaaanke! Erst erklärte ich den Linienflugverkehr von der Plattform aus, denn immerhin möchte ja Rosemary Stewardess werden, weswegen ich sie dauernd mit Englisch nerve. Und Nayeli möchte Ingenieurin in der Benzin-/ Kerosinversorgung werden (beide Damen im untersten Flieger-Foto)
Dann saßen alle mal im Pilotensitz im Hangar, und ich erklärte ihnen ein bißchen die Instrumente.
„Und ich dachte schon, Dein Auto sei was Kompliziertes…“
Highlight 2: ODESUR Südamerikanische Sportfestspiele. Hier das Gruppen-Länderspiel der Herren Bolivien – Argentinien. Resultat 1:1. Gab´s schon schlimmer. Argentinien macht mir KEINE Sorgen für die WM
Damenriege mit Kamera und Handys, wie in aller Welt. Sandra hat die Arbeit aufgenommen. Unsere Kleinsten, Lesli und Yasmin, sorgen für den Nationalstolz
Hockey – Viertelfinale der Damen. Leider verlor Bolivien 0:6 gegen Chile. Paraguay und Uruguay schenkten sich nichts. Am Ende 0:2
„Zu Null? Können die da nicht ma wenigstens einen reinmachen??“ Man sieht, so ein bißchen Regen hält uns nicht auf. Meine Kinder sind nicht aus Zucker. Und Sandra arbeitet konzentriert in der neuen Aufgabe
Faszinierend: Bogenschießen. Insbesondere die Kolumbianerinnen trafen auf 100 Meter eine Fliege in den Allerwertesten. Unglaublich
Alles an verfügbarem Bettmaterial in das kaum beschädigte Zimmer geschoben, den Rest machen die Mädchen schon, da gibt es keine Anstellereien. Lachen bis in die Nacht erschall aus der Kemenate…
Abenteuer der Jungs: im Garten zelten. Fanden sie auch klasse. Wir hatten ja das Hofzimmer im Regen verloren (siehe Februar 2018), dann eben so
Den Bogen, wie man Kinder mit flottem Essen bei Laune hält, habe ich nach all den Jahren auch raus
So sehe ich mein Haus am liebsten. Krachend vor Kindern und guter Laune. Ob´s die Wände aushalten … deren Problem
Und so sahen meine Ziehtöchter dann an jenem Sportball-Abend aus. Gestern haben sie mir das Foto geschickt.
Es soll zu schwereren Unfällen gekommen sein, als sich hinterherlaufende Jungs auf die eigene Zunge gelatscht haben.
Nicht mein Problem, bin kein Arzt (was denn auch noch alles..)
Himmel, wenn ich noch denke, was das für verhungerte Spargelchen waren, die den Mund nicht aufbekommen haben vor Scham und Schüchternheit. Jetzt sagt Alicia zum Polizisten am Stadioneingang: „Könnten Sie bitte mal beiseite treten, möchte mit meinen Freunden zum Länderspiel Bolivien Argentinien eintreten.“
Und der TRITT beiseite!!
So viel können wir hier nicht falsch gemacht haben
[:de]Das wird die nächsten drei Wochen unsere Realität hier sein. Die Mädchen werden (einschließlich Samstag und Sonntag) nicht mehr einmal am Tag am Tisch zusammenkommen, wie es sonst üblich ist (auch gerade für Kommunikation und Abstimmung der Aktivitäten). Es wird in Schichten und Etappen gegessen. Alle sind mit ihrer Voluntärsuniform für die südamerikanischen Sportfestspiele bekleidet. Dann geht es – husch – wieder zum Einsatzort. Manche Sportlerhotels liegen so weit draußen, dass die Mädchen da zuweilen auch die Nacht verbringen, wie sie sagen in schlichten, aber schönen nagelneuen Zimmern mit Bad. Also auch in Ordnung. Hier unser WOK, mit Reis Chop Suey. So etwas lässt sich eben einfach schnell wieder auf die Flamme stellen, und schon essen die nächsten..
Noemi´s „Laden läuft.“ Da meine Mädchen dringend ihre Freiwilligen – Uniformhosen für die Südamerikanischen Sportfestspiele (wir machen da alle irgendwie als freiwillige Helfer mit) gekürzt bekommen mussten, kam sie zum Mittagessen (übrigens Tortellini mit Schinken-Sahnesoße, hausgemachte Guacamole und Salat von Rocío aus Candelaria mit frischgepresstem Pfirsich – Fruchtsaft) vorbei und bediente wieder ihre „alte“ Lern-Nähmaschine.
Dabei erzählte sie, dass sie noch einen Ausbilderkurs machen möchte und dann teils ihre Werkstatt betreiben, teils Unterricht geben wird. Glänzende Idee. Vermutlich werden wir da als Start-Up-Helfer auftreten…
Denn das ist genau unser oberstes Ziel hier: Unabhängigkeit schaffen
Und jetzt kommen Sie! Was war los? Am Freitag erreichte mich ein Hilferuf aus Candelaria. Die großen Mädchen hätten Donnerstag ihren ersten großen Ball, im Rahmen der südamerikanischen Sportfestspiele – aber weder Kleider noch hochhackige Schuhe. Also haben wir die Schränke der Töchter hier geplündert und das Erbeutete leihweise nach oben gefahren. Als sich meine Ziehtöchter oben umgezogen hatten, wurde ich hereingebeten. Mir fiel die Kinnlade runter. Ok, endlich verstanden. Das sind KEINE kleinen Kinder mehr.
Erkennen Sie sie wieder? Das sind Aydet (Mitte) und Lizeth (rechts), zwei sehr liebe Schwestern, die im Heim „San Francisco“ leben. Sie sind Patentöchter der Casa, 2016 haben wir ihnen in unserem Hause ihre Erstkommunionsfeier ausgerichtet (Siehe September 2016, Klickleiste links). Aydet ist die Jüngere, aber jetzt schon größer als Liz. Solche Überraschungen sind das Wunderbare an der Arbeit mit Kindern…
Marisol ist nicht ganz so gesund wie andere Kinder, sie kann nicht so gut ihre Bewegungen kontrollieren und auch nicht so gut sprechen. Nancy, Mutter von Yasmin und Lesli, hat uns auf diese Familie am anderen Ende von Candelaria aufmerksam gemacht. Die Eltern sind nicht da. Die beiden älteren Geschwister sind nie zur Schule gegangen, haben nur irgendwie die Familie zusammengehalten. Drei kleinere Geschwister gehen zur staatlichen Schule. Marisol müsste auf eine besondere Schule, aber dafür ist kein Geld da. Darüber denken wir auch gerade noch nach
Kasten offen. Ich bin froh, daß ich von den großen deutschen Kleidersendungen immer ein, zwei solcher Kisten in Reserve halte und in solchen Momenten reagieren kann. Marisol ist acht, rechts ihre große Schwester, zehn Jahre alt. Hat natürlich auch was bekommen, aber alle Geschwister sagten, für unsere Mari sei es am Dringendsten